A mix between dokumentation and art

Island 2006

Kennt ihr schon Hakarl?

Nicht?

Wenn er vor euch steht werdet ihr ihn am Geruch erkennen, so viel ist klar.
Nein, es kein Kumpel von mir, es ist eine isländische Speise. Nicht nur eine Speise, sondern auch eine echte Mutprobe, denke ich. Aber sie scheint zu wirken, denn es fühlt sich an würde das Blut warm durch die Adern fliessen, was der Grund dafür sein soll, dass diese Speise einen so hohen Beliebtheitsgrad in Island hat. Es handelt sich dabei um fermentierten Grönlandhai.
Kleiner Auszug aus Wikipedia gefällig?
«Geruch und Geschmack des Gerichts sind sehr intensiv und können bei Kulturfremden Ekel auslösen, mitunter auch bei Isländern selbst.»
Und es kommt noch schlimmer, lest selbst. Hákarl.
Die isländische Küche hat aber noch mehr Überraschungen:
- längs Durchtrennte Schafsköpfe,
- Bullenhoden,
- kleine niedliche Papageientaucher.
Gut, das ist jetzt gemein, bei uns gibt es ja auch Kükenragout.
Nicht nur die Küche, sondern auch das Wetter bietet das volle Programm. Täglich alle Wetterlagen, und das zu nahezu jeder Jahreszeit. Wir hatten Glück, denn es schneite nie. Im Gegenteil, am ersten Tag unseres Trecks ab Landmannalaugar, war Kaiserwetter. 



Mir war sofort klar, dass es sich nur einen Bluff handeln konnte. Die einmaligen geologischen Formen und Farben sollten darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei Island um ein karges, unwirtliches Land handelt. Im Inland ist Trinkwasser rar, und die fruchtbaren Küstenstreifen werden immer mehr von Geröllfeldern der Gletscher überzogen, weil die Gletscherflüsse ihre Sedimente ablagern.
Was vor 300 Jahren noch bestes Weideland war, ist heute nur noch eine Schotterebene, genannt Sandur.
Wir hatten Wasser im Rucksack und gutes Wetter. Also scherten uns also vergangene Gletscherläufe und Vulkanausbrüche, durch deren erkalteten Lavaspeichel wir nun liefen, überhaupt nicht.



Nach ein paar Stunden liessen wir die TagesausflüglerInnen hinter uns und waren relativ allein. Relativ, denn Landmannalaugar bietet sich für Wochenendausflüge an. Kein Wunder, denn der Weg hat viel zu bieten.

Impressionen vom Weg


Ich würde sagen, das Wetter verschlechterte sich, aber eigentlich wurde es normal. Ein kühler Wind kam auf und leichter Regen setzte ein. Die erste Hütte stand auf ca. 1000 Meter voll im Wind und die Temperatur dort kann ich ruhigen Gewissens als Arschkalt bezeichnen. Es war so windig, dass die Zelte auf dem angrenzenden Zeltplatz mit Steinwällen geschützt werden mussten. Dauerhaft wohlgemerkt, denn das Wetter scheint hier oben bei der Hrafntinnusker-Hütte meistens feucht und stürmisch zu sein. 



Übrigens, das ist nicht die Hütte, sondern das Klo. Die nächste Etappe, die zum Alftavatn (vatn=See) führt, begann nicht nur bei dichtem Nebel, sondern blieb eine ganze darin stecken.

 

Selbst die die Landschaft blieb gleich. Es fühlte sich an, als wären wir in einer Zeitschleife.
Ein Hügel folgte dem anderen soweit das Auge reicht. Schier endlos.

 

Doch die Natur hat eine Lösung gefunden um das Wandern nicht zu langweilig werden zu lassen. Das Zauberwort heisst Vulkanasche. Sie sorgt nicht nur dafür, dass das Laufen mehr Kraft kostet, sondern fördert auch die Konzentration, weil das Abrutschen von den kleinen Hügeln mit schwerem Rucksack sehr schwierig ist.
 

Irgendwann war es dann soweit. Der Nebel konnte sich nicht länger halten und die Sonne kam durch. Die Motivation stieg, die Hügel wurden kleiner und das Gehen war nicht mehr so kräftezehrend. Etwas später, als uns wieder eine gewisse Monotonie gedanklich zu lähmen schien, öffnete sich die Landschaft und gab den Blick auf den Alftavatn frei. Unglaublich. Es war einfach nur ein unglaublicher Anblick. Unser Ziel war vor quasi vor unseren Augen und bot diesen wundervollen Ausblick, der uns alle Anstrengungen vergessen liess.

 

Gut, es war schon noch etwas zu laufen und zwei kleine Bäche mussten gefurtet werden, aber was machte das schon. Wir waren fast "zu Hause". Bei der Hütte angekommen, holte ich die erste Überraschung aus dem Rucksack. Wir sassen erschöpft und glücklich vor der Hütte und genossen Kaffee mit Baileys.

 

Der nächste Tag sollte der Tag des Wassers und des Sandes werden. Wasser von unten, Wasser von oben und Sand soweit das Auge reicht. Er begann am Morgen mit Wasser von oben. Erst weniger, dann mehr, dann noch mehr, dann mit viel, viel Wind. Super! Abenteuer pur! Doch erst einmal zum Anfang des psychisch anstrengenden Tages. Zuerst galt es im strömenden Regen mehrere Bäche und Flüsse zu furten, bzw. durchwaten.
Ich testete einige Varianten und fand für mich die Lösung auf dem Foto.
Relativ haltbar (2-3 mal), leicht, kostengünstig, vielseitig zu verwenden.
Ganz wichtig!
Die Stulpen müssen unter der Regenhose getragen werden!
Ich bin zwar inzwischen auf diese Schaumstoffschuhe gestossen bin, die nehmen mir aber zu viel Rucksackvolumen in Anspruch. Ausserdem müssen die Füsse nach jeder Flussquerung sorgfältig gereinigt werden, damit keine Sandkörner am Fuss haften und später Blasen verursachen. Und das kostet viel Zeit.



 

So hatten wir viel, viel Wasser von oben, weil der Regen einfach nicht aufhören wollte und von unten, weil wir die Flüsse queren mussten. Nach dem «ich weiss nicht wievielten» Fluss standen wir vor der Aschewüste. Der Weg zur Botnaà- Hütte führt durch die Wüste. Eine gefühlt endlose Wüste mit Regen ohne Ende. Und der Wind ist allgegenwärtig.



Doch irgendwann, wenn man denkt es gebe keinen letzten Hügel, keinen Ausweg, keine Hütte, irgendwann steht man eben auf diesem Hügel und sieht nach Stunden endlich etwas grünes. Grün, und rote Dächer. Wunderbare rote Dächer von wunderbaren Hütten. Und als wäre das nicht paradiesisch genug, hatten die ersten angekommenen TrekkerInnen heisses Wasser für alle gemacht.

 

Es wurde ein netter Abend mit vielen interessanten Gesprächen. Alle Personen die es bis zu dieser Hütte geschafft hatten, waren jetzt ein kleines bischen miteinander verbunden. Die letzte Etappe nach Þórsmörk war wieder einfach nur schön. Es wehte wie immer ein heftiger Wind, aber die Natur hatte weitere Überraschungen für uns. Nicht weit von der Hütte öffnete sich der Boden und gab ein ein Flussbecken mit roten Steilwänden frei. Ein wunderbarer Blick, der aber einige Vorarbeit kostete. 



Später ging es über eine kleine Hochebene mit Blick auf den Entulökull (jökull = Gletscher), einen Pass und durch weite, mit Gras uns Birken bewachsene Ebenen. Vor Þórsmörk wartete noch ein Flussdelta auf uns, schliesslich sollten wir das Furten nicht verlernen. Kurze Zeit später waren wir am Ziel.
Þórsmörk.
Das Paradies der Jeepfahrer, die mieseste Tour für Busfahrer, die warme Zuflucht für Trekker.